Buchrezension:
Wege zu einer neuen Leistungskultur
Was Wirkung, Vertrauen, Eigenverantwortung und KI für gute Zusammenarbeit bedeuten.
Ein gutes Arbeitsklima entsteht nicht zufällig. Es wächst genau dort, wo Menschen wissen, wofür ihre Arbeit wichtig ist, Verantwortung übernehmen können und sich aufeinander verlassen dürfen. Genau deshalb hat mich der Titel «Wege zu einer neuen Leistungskultur» von Sophie Descollaz angesprochen: Er lenkt den Blick weg von blossen Kennzahlen und hin zu den Bedingungen, unter denen gute Arbeit möglich wird. Als jemand, der intrinsisch motiviert sehr gerne an neuen Projekten arbeitet, habe einige Kapitel gerade zu "verschlungen", wie man so schön sagt.
Die folgenden Gedanken verbinden diese Buchimpulse mit meiner eigenen Perspektive auf Beratung, digitale Projekte und - natürlich, wie soll es heutzutage auch anders sein - den Einsatz von KI (oder Superintelligence, wie es aus dem Silicon Valley neu genannt werden möchte).
Gute Leistung zeigt sich an Wirkung, nicht an Aktivität
Im ersten Teil des Buches geht es um die Frage, woran Leistung überhaupt erkennbar wird. Guter Einstieg, um sich zu orientieren. Für mich ist das ein wichtiger Perspektivwechsel, denn eine volle Aufgabenliste kann beschäftigt wirken, sagt aber noch wenig darüber aus, ob für Kunden oder Unternehmen etwas besser geworden ist. Man fragt sich zurecht häufig "ist man wirklich produktiv, und zahlt das aktuelle Tun, wirklich auf das gesetzte Ziel ein?".
Bei einer Webseite, einer Beratung oder einem neuen Ablauf frage ich deshalb: Welche konkrete Veränderung soll entstehen? Wird ein Kauf einfacher, eine Entscheidung klarer oder ein wiederkehrender Arbeitsschritt verlässlicher? Wenn das Ziel greifbar ist, lässt sich später auch sinnvoll prüfen, ob die eingesetzte Zeit und Technik tatsächlich etwas bewirken. So viel aus meiner Perspektive.
Vertrauen entsteht durch klare Zusammenarbeit
Im Buch stehen Vertrauen, Kommunikation, Anpassungsfähigkeit und Ergebnisorientierung im Zusammenhang mit zeitgemässer Zusammenarbeit. Klingt zunächst nach vielen Buzzwords, wird dadurch allerdings nicht weniger wichtig. Für mich gehört dazu vor allem Transparenz! Was ist vereinbart, woran erkennen wir Fortschritt und welche Entscheidung liegt bei wem?
Gerade in Beratungsprojekten schützt diese Klarheit vor Missverständnissen. Sicherlich können seitenlange Verträge alles bis ins Klein-Klein regulieren, was sicherlich in einigen Bereichen auch notwendig ist, aber lässt man Freiheiten, dann schaffen sie Raum, Erwartungen anzupassen, ohne dass das gemeinsame Ziel verloren geht. Vertrauen heisst dabei nicht, alles ungeprüft laufen zu lassen, sondern Informationen offen zu teilen und sich auf nachvollziehbare Absprachen stützen zu können.
Ein Impact-Profil sagt mehr als ein Jobtitel
Mein Lieblingskapitel btw. Ein Jobtitel sagt, wie eine Rolle heisst. Ein Impact-Profil beschreibt, welchen Beitrag sie leisten soll, welches Ergebnis erwartet wird, welche Verantwortung dazugehört und natürlich auch - wieder - woran Fortschritt sichtbar wird. Dieser Blick hilft, Zuständigkeiten nicht nur nach Kästchen im Organigramm, sondern nach Wirkung zu ordnen.
Ich übertrage diesen Gedanken auch gerne auf digitale Assistenten und KI-Systeme. Ein E-Mail-Assistent braucht nicht bloss Zugriff auf dein Posteingang und einen nett klingenden Namen. Er, Sie oder Es braucht eine klar eingegrenzte Aufgabe, verlässliche Regeln und einen Punkt, an dem ein Mensch prüft oder übernimmt. So bleibt verständlich, wer wofür Verantwortung trägt.
Eigenverantwortung braucht klare Spielräume
Verantwortung zu übernehmen heisst für mich nicht, alles allein lösen zu müssen. Es bedeutet, die eigene Aufgabe ernst zu nehmen, offene Punkte rechtzeitig anzusprechen und bei Schwierigkeiten nicht einfach abzutauchen. Dafür müssen Zuständigkeiten und Entscheidungsspielräume verständlich sein. Wichtig auch, dass dafür Gestaltungsräume entwickelt werden.
Auch Fehler gehören zu echter Arbeit (leider, aber ohne geht´s halt nicht). Entscheidend ist, ihre Folgen zu begrenzen, die Ursache zu verstehen und den Ablauf so zu verbessern, dass derselbe Stolperstein nicht unnötig wiederkehrt, denn sonst kann man ohne Weiteres von Fahrlässigkeit bis Dummheit sprechen. Eine lernende Kultur sucht deshalb nicht zuerst nach Schuld, sondern nach dem nächsten verlässlichen Schritt. Dieses Paradigma wünsche ich mir verstärkt in der Gesellschaft verankert.
KI hilft am meisten mit einer klaren Aufgabe
Dass das Inhaltsverzeichnis KI als eigenes Themenfeld aufführt, macht das Buch für mich besonders interessant und aktuell. Meine praktische Schlussfolgerung: Nicht mit dem Tool beginnen, sondern mit einer klaren Aufgabe. Wo kostet ein wiederkehrender Schritt Zeit? Welche Informationen darf ein System nutzen? Was darf es selbst vorbereiten, und was muss ein Mensch prüfen oder entscheiden?
Bei uns sehe ich KI dann als nützlich, wenn sie Routine reduziert, ohne Verantwortung unsichtbar zu machen. Ein Ergebnis braucht klare Kriterien und einen Kontrollpunkt. So wird aus einer beeindruckenden Demo ein verlässlicher Teil der Arbeit.
Führung und Vertrauen gehören zusammen
«Wege zu einer neuen Leistungskultur» ist für mich eine Einladung, genauer auf die Bedingungen guter Arbeit zu schauen: klare Ziele, Vertrauen, passende Verantwortung und ein bewusster Umgang mit Technologie. Besonders die Verbindung von Führung und Vertrauen macht die Themen für mich greifbar. Sie passt zu meiner Überzeugung, dass gute Beratung Orientierung geben und zugleich Raum für eigene Entscheidungen lassen sollte. Prädikat: Lesenswert.
Wenn du dir selbst ein Bild machen möchtest, findest du das Buch und das öffentlich zugängliche Probekapitel hier:
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